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Nehmt Abschied Brüder…
Aug
28
… ungewiss ist alle Wiederkehr.
Und eine Sache ist ganz wichtig: Besucht die Leute die euch am Herzen liegen so oft ihr könnt.
Heute muss ich mich schon wieder von einem wichtigen Menschen aus meinem Leben verabschieden weil er nicht mehr da ist. Ich rede von meinem früheren Pfadfinder Leiter Wolfi. Er war für mich ein bisschen auch Opa Ersatz da meine Großeltern ja damals fast 700 Kilometer entfernt waren.
Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, ich war eigentlich jeden Nachmittag in der Schule, aber nicht weil ich dort Hausaufgaben gemacht habe oder Unterricht hatte sondern weil ich bei den Pfadfindern, der Videogruppe, der Theatergruppe, der Schülerzeitung oder im Computerraum oder bei irgend einer SMV Aktion dabei war. Man wie haben meine Hausaufgaben darunter gelitten
aber bei Wolfi der auch den Getränkeverkauf organisiert hat in der Pause gab es immer ein Plätzchen wo man noch eben was nachholen oder zumindest abschreiben konnte. Nachmittags ist man ihm dann bei seinem täglichen Rundgängen als 2. Hausmeister begegnet (z.b. Getränkeautomaten nachfüllen, und nachsehen dass in den leeren Klassenzimmern kein Schabernack getrieben wird)
Und abends hat man ihn dann oft verzweifelt gesucht weil man mal wieder bis nach 5 in der Schule unterwegs war und der Fahrradkeller schon abgeschlossen war und man vom Sekretariat auch keinen Generalschlüssel mehr holen konnte (den hatte ich verdammt oft in den Fingern übrigens, ich war ja bekannt und anscheinend auch Vertrauenswürdig, trotzdem gab es immer den Kommentar: “Aber in 10 Minuten ist der wieder bei mir!”)
Wolfi war eh immer sehr gewissenhaft und geduldig. Pünktlich um 5 waren alle Fenster geschlossen und alle Klassenzimmer abgesperrt
Das spiegelt den Charakter von Wolfi sehr gut wieder, denn genauso gewissenhaft hat er jedes Jahr für das Zeltlager ca. 70 Anhänger für alle Teilnehmer als Andenken gebastelt und von allen jemals gebauten Lagerbauten Modelle hergestellt für die Pfadfinderausstellung die er zu jeder sich ergebenden Möglichkeit aufgebaut hat.
Am Eingang dieser Ausstellung stand er dann immer in seiner Kluft und natürlich gehörten die Knielangen Hosen wie immer dazu (ich kannte ihn eigentlich nur in diesen “Hochwasserhosen”). Versteckt in seiner linken Hand ein kleines Zählwerk von dem nur die Pfadis wussten, immer wenn wir mal schauen gegangen sind mussten wir natürlich Nachfragen wieviele Leute schon da waren, und es waren niemals wenige! Die Ausstellung war auch einfach zu detailverliebt… Selbst als alteingesessener Pfadi ist man jedes mal durch die Ausstellung gegangen es gab immer was neues oder verbessertes.
Wir haben uns oft gefragt wo er die Sachen alle lässt wenn sie nicht ausgestellt sind. Und tatsächlich sein Zimmer war immer bis oben hin voller Bücher, Projekte und Lagermodelle. Baden Powell wäre stolz gewesen auf einen Pfadfinder wie Wolfi, der fast sein ganzes Leben den Pfadis gewidmet hat. Auch wenn Wolfi auf den Letzten Zeltlagern nicht mehr im Materialzelt geschlafen hat (er zersägte sogar im Schlaf noch ne Menge Holz. Insider: “I glaub da verreckt a Kuh!”) sondern sich in den alten grünen Pfadibus zurückgezogen hat (da war’s nicht so feucht) war er doch trotzdem nicht aus den Lagern wegzudenken.
Danke dass ich dich kennenlernen durfte Wolfi, ich werde dich niemals vergessen!
Mit Pfadfindergrüßen!